Colitis ulcerosa: Symptome,Ursachen, Therapie und Ernährung

Zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählt Colitis ulcerosa, bei der ausschließlich der Dickdarm von Entzündungen betroffen ist. Die Krankheit wird nach ICD-10 unter K51.0 bis K51.9 klassifiziert. Wie alle chronischen Erkrankungen beeinträchtigt die Darmerkrankung die Betroffenen sehr stark und wirkt sich nachhaltig auf die Lebensqualität aus. Insbesondere Koliken, Blähungen und Stuhlinkontinenz, oft einhergehend mit diversen Begleiterkrankungen, wirken sich im Alltag auf den Erkrankten aus und können sich einerseits auf die Lebensgestaltung sowie die Psyche nachteilig auswirken. Eine gute medizinischen Versorgung und bei Bedarf auch die begleitende Psychotherapie ist für die Verbesserung der Lebensqualität unerlässlich.

colitis ulcerosa
Vorkommen der colitis ulcerosa im Gastrointestinaltrakt, © Juan Gärtner – Fotolia.com

Während akuten Schüben müssen Menschen mit Colitis ulcerosa zum Teil bis zu 40 mal binnen 24 Stunden auf die Toilette, so dass sich im Alltag gravierende Probleme und Beeinträchtigungen für die erkrankte Person ergeben. Vor allem das Verlassen der eigenen Wohnung birgt seine Tücken, weil  in akuten Schüben eine Toilette aufgrund der häufigen Durchfälle in unmittelbarer Reichweite sein muss.



Was ist Colitis ulcerosa?

Krankheitsauslöser und Häufigkeit

Warum Menschen an der chronisch-entzündlichen Darmkrankheit Colitis ulcerosa erkranken, ist noch unbekannt. Mediziner vermuten eine genetisch bedingte Prädisposition, weil diverse Genmutationen bei Erkrankten festgestellt werden konnten. Es ist auch nicht auszuschließen, dass umweltbedingte Faktoren sowie Ernährung und Hygiene als Ursache für den Krankheitsfall in Betracht kommen können. Darüber hinaus deutet alles drauf hin, dass Belastungssituationen und Stress den Krankheitsverlauf beeinflussen und Schübe auslösen können. So erklärt es sich auch, dass in den 1950er Jahren Colitis ulcerosa wie auch Morbus Crohn als psychosomatische Erkrankung unter den Holy Seven gelistet wurde.

Am häufigsten bricht die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa im Alter von 20 bis 40 Jahren aus; Frauen und Männer sind in gleicher Häufigkeit betroffen. Auf die Menge von 100.000 Menschen kommen in der westlichen Welt bis zu 250 Erkrankungen. Während die Krankheitsausbrüche zunächst im Norden Amerikas sowie in Europa anstiegen und sich jetzt auf eine fast gleichbleibende Zahl einpendeln, nehmen in Südamerika, Afrika und Asien die Neuerkrankungen zu, wenngleich in diesen Ländern früher weniger Krankheitsfälle zu verzeichnen waren, als in Europa und Nordamerika. Deutschlandweit erkranken derzeit jährlich pro 100.000 Einwohner zwischen 3 und 3,9 Personen an Colitis ulcerosa.

Symptome und Diagnostik bei Colitis ulcerosa

  • Durchfälle, Darmblutungen sowie Koliken sind typische Symptome der chronischen Darmentzündung.
  • Betroffene leiden darüber hinaus auch unter starken Blähungen und häufigen Stuhlgängen
  • Colitis ulcerosa verläuft schubartig. Der akute Krankheitsschub geht einher mit typischen Beschwerden, die von blutigem Durchfall bis hin zu schmerzhaftem Stuhldrang und einem häufigen Stuhlgang reichen. Fulminante Schüben gehen einher mit blutigen Durchfällen, Fieber und Patienten beklagen häufig Herzrasen. Zu den klinischen Beschwerden können auch Blutarmut sowie toxisches Megakolon zählen.
Bei fulminanten Colitis ulcerosa Schüben sind erkrankte Menschen allgemein im gesundheitlichen Zustand geschwächt, so dass auch die Leistungsfähigkeit erheblich oder gar vollständig eingeschränkt sein kann.

Während die Schübe ein schubweises Auftreten bzw. die schubweise Verschlechterung der Symptome zur Folge haben, stellt der chronisch aktive Verlauf durchgängiges Vorhandensein der krankheitstypischen Beschwerden dar, die selbst unter medikamentöser Behandlung zu beklagen sind. Es kommt vielfach zu Medikamentenabhängigkeit und einem refraktären Verlauf, bei dem der Erkrankte nicht auf die medikamentöse Verabreichung anspricht.


Endoskopie und Laboruntersuchungen sind diagnostische Mittel zur Krankheitsfeststellung. Bei der Endoskopie wird der Darm gespiegelt und erlaubt die differenzdiagnostische Untersuchung zum Morbus Crohn. Während der endoskopischen Untersuchung des Darms wird eine Biopsie durchgeführt. Das entnommene Gewebe wird histologisch untersucht. Dabei zählen ödematöse Schwellungen der Darmschleimhaut, Geschwüre, Kryptenabszesse und toxische Dickdarmerweiterungen, Reliefverlust, Schleimhautabflachung sowie Bauchfellentzündung zu den typischen Befunden. Laborbefunde bestätigten durch einen erhöhten CRP Wert sowie erhöhte Blutsenkung sowie Leukozytose die Entzündung des Darms. Auch lässt sich häufig eine Anämie diagnostizieren, wenn oft Blut im Stuhlgang ist. Bei 60 % der Untersuchungen lassen sich antineutrophile cytoplasmatische Antikörper nachweisen.

Therapie bei Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine nicht heilbare Erkrankung; Ziel der Therapie kann die Remission sein, so dass Krankheitssymptome dauerhaft zum Nachlassen gebracht werden. Von der Remission spricht man, wenn der Colitis ulcerosa Patient nicht mehr als drei Stuhlgänge am Tag hat und kein Blut im Stuhl sichtbar ist.

Therapeutische Maßnahmen sollen die Beschwerden lindern, Entzündungen hemmen und das Darmkrebsrisiko senken. Verabreicht wird u. a. Mesalazin, das als relativ nebenwirkungsarm gilt. Alternativ kann bei Unverträglichkeit Sulfasalazin verabreicht werden. Erscheint die Verabreichung solcher 5-ASA-Präparate als nicht ausreichend, kann als Kurzzeitbehandlung eine Glucocorticoid-Therapie örtlich, oral oder systemisch als Maßnahme indiziert sein. Unter bestimmten Voraussetzungen kann über eine Therapie mit E-Coli-Nissle-1917-Bakterien nachgedacht werden. Neben diesen Therapieformen bestehen weitere therapeutische Ansätze bei Colitis ulcerosa zur Verfügung; bei besonders schweren Krankheitsbeschwerden sowie z. B. dem toxischen Megakolon kann auch ein operativer Eingriff erforderlich sein. Oft muss der Dickdarm dann vollständig entfernt werden (ileonale Pouch-Operation).

Eine psychotherapeutische Begleittherapie kann durchaus indiziert sein, da sich einerseits aufgrund der krankheitstypischen Symptome (häufiger Stuhlgang, Durchfall, starke Blähungen) seelische Belastungen einstellen. Zum anderen sich aber auch Stress und belastende Lebenssituationen verstärkend auf Colitis ulcerosa auswirken und aktive Schübe in Häufigkeit und Intensität begünstigen können. Die begleitende Psychotherapie oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe können präventiv zur Vorbeugung oder zur Bearbeitung von Depressionen und Ängsten hilfreich für die kranken Menschen sein.

Eine engmaschige und gute medizinische Versorgung des Colitis ulcerosa Erkrankten sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, da nach längerer Erkrankungszeit ein erhöhtes Risiko einer Karzinom-Erkrankung besteht. Die endoskopische Tumor-Vorsorge ist daher elementarer Bestandteil der Colitis ulcerosa Behandlung. Aufgrund des Auszehrens durch die chronisch-entzündliche Darmerkrankung geht dies oft einher mit weiteren Begleiterkrankungen sowie mannigfaltigen Mangelerscheinungen, denen mit Verabreichung fehlender Nährstoffe entgegengewirkt werden muss.


Ernährung bei Colitis ulcerosa

Bei fast allen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spielt auch bei Colitis ulcerosa die Ernährung eine wesentliche Rolle. Das Krankheitsbild geht oft einher mit einer Zuckerunverträglichkeit. Der Verzehr von Lactose, Sorbit und Fructose etwa kann das Blähen verstärken.

  • Eine zuckerfreie Diät ist deshalb zu empfehlen, um die Krankheitssymptome zu reduzieren.
  • Jedoch können Erkrankte in schubfreien Phasen oft sogar sich ganz normal ernähren.
  • Das Essen außer Haus kann problematisch sein, wenn Speisen starke Blähungen auslösen oder zur Diarrhoe (Durchfall) führen.

Durch die häufig auftretenden Durchfälle müssen Menschen mit Colitis ulcerosa darauf achten, ihren hohen Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Neben kohlensäurearmem Wasser sind Fencheltee, Kamillentee, Anistee sowie Kümmel- und Pfefferminztee zu empfehlen. Auch Fette müssen verstärkt über die Ernährung aufgenommen werden. Kaltgepresste und ungehärtete Öle sind zu bevorzugen. Rohes Gemüse, Zitrusfrüchte, Salate und Süßes bereiten zumindest in akuten Krankheitsschüben Beschwerden und sollten daher gemieden werden.

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